Hart erkämpft
Dominique Gisins goldene Devise
publiziert: Mittwoch, 12. Feb 2014 / 15:52 Uhr
Dominique Gisin kurz nach ihrem Erfolg - und die ganze Schweiz feiert mit ihr.
Dominique Gisin kurz nach ihrem Erfolg - und die ganze Schweiz feiert mit ihr.

Endlich: 20 Jahre nach Vreni Schneider stellt die Schweiz wieder eine Olympiasiegerin im alpinen Skisport. Dominique Gisin krönte mit Gold in der Abfahrt eine an Rückschlägen und Entbehrungen reiche Karriere.

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«Immer alles geben, immer alles riskieren.» Diesem Vorsatz ging Dominique Gisin 2007 in Are an ihren allerersten Titelkämpfen nach, und auch an den folgenden drei Weltmeisterschaften und an den Olympischen Spielen von 2010 Vancouver änderte sich an diesem Motto nichts.

Es zählen nur die Medaillen

Doch alles geben und alles riskieren reichte bis zu diesem 12. Februar 2014 nie. Sie konnte zwar nach ihren Rennen stets in den Spiegel schauen, hatte sich nie an einem Grossanlass etwas vorzuwerfen. Nur: Sie hatte eben auch nie etwas erhalten. Denn die heute 28-Jährige sagt ja selbst: «An Titelkämpfen zählen nur die Medaillen. Ein 4. oder 5. Platz interessiert niemanden.»

Ruhm und Ehre nach zahlreichen Misserfolgen

Fünfte war Dominique Gisin in der Abfahrt der WM 2007, Vierte in der Super-Kombination der WM 2011. Doch auf dem Podium stand sie an den ganz wichtigen Anlässen nie. Oft lag sie im Netz, wie 2010 in Whistler Mountain, als sie in der Olympia-Abfahrt kurz vor dem Ziel stürzte und eine Hirnerschütterung erlitt, oder letzten Winter in Schladming, wo ihre WM-Abfahrt mit Prellungen, Schürfungen und einem Mittelhandknochenbruch zu Ende ging. Oder dann schied sie wie an der WM von 2009 in Val d'Isère aus.

Von Lust zur Last

Zuletzt im Weltcup tat sich aber die Engelbergerin sehr schwer, ihren Kampfgeist auszuleben. Der Grund dafür lag rund zwei Jahre zurück. In Cortina hatte Dominique Gisin, ohne zu stürzen, einen schweren Schlag aufs Knie erhalten. Mit einem Meniskusriss und einer Knorpelverletzung landete sie auf dem Operationstisch, zum bereits neunten Mal in ihrer an Verletzungen so reichen Laufbahn.

Am Ende jenes Winters trug sich Dominique Gisin gar mit dem Gedanken, keine Speedrennen mehr zu fahren. Die einstige Lust wurde immer mehr zur Last. Sie überlegte es sich doch noch anders, doch «befreit fahren und den letzten Zacken geben», so sagt sie, «damit tat ich mich seit dem Zwischenfall in Cortina schwer.»

Dominique als Allrounderin

Sie hätte ja tatsächlich den Bettel hinschmeissen können, zumal es ihr an Alternativen nun wahrlich nicht fehlt. Ihre Talente beschränken sich längst nicht aufs Skifahren allein. Sie besitzt seit Sommer 2011 eine Fluglizenz, nachdem sie sogar die Selektion zur Ausbildung als Kampfjet-Pilotin überstand.

Sie bestand den Numerus clausus in Medizin und begann ein Physikstudium, das sie dereinst fortsetzen will. Sie bezeichnet sich als Leseratte und mag Mathematik. Zahlen faszinieren sie. Auf den Skisport bezogen hatte sie schon länger keine magischen Zahlen mehr abgeliefert.

Vorsicht ist besser als Nachsicht

Der letzte ihrer drei Siege datiert von März 2010 (Super-G in Crans-Montana), letztmals aufs Podium steigen durfte sie im Dezember 2011 (Abfahrt in Lake Louise).

In dieser Saison klassierte sie sich zwar zehnmal in den Top 12, aber es resultierte nie eine bessere Klassierung als Rang 6. Denn Vorsicht wurde zum Programm: «Ich liess lieber einen halben Meter zu viel Platz als zu wenig, oder ging eher zu früh als zu spät aus der Hocke.»

In Sotschi aber, so hatte sie sich seit längerem vorgenommen, sollte alles anders werden: «Im Weltcup fahre ich für mich, aber bei Olympia starte ich für mein Land, fahre ich für die Schweiz. Und in Sotschi ist es für mich eine Verpflichtung, wirklich wieder alles zu geben und alles zu riskieren. Wenn ich dazu nicht bereit bin, muss ich den Startplatz einer anderen geben.»

Durchhaltevermögen

«Geholfen», sagte Dominique Gisin nach ihrem Sieg, «hat mir die Tatsache, dass ich die Qualifikation bestreiten musste.» Sie musste sich bereits in den Trainings überwinden, um sich überhaupt einen Platz im Schweizer Team zu sichern.

Erst im letzten Stechen am vergangenen Samstag konnte sie sich durchsetzen, im internen Duell um den vierten Startplatz realisierte sie sogar Bestzeit. Auch im Rennen um Gold war sie bereit, und sie brachte eine «verrückte Woche» zu einem glücklichen Abschluss.

Perfekter hätte der Tag nicht sein können

Die frühe Startnummer und die damit verbundenen optimalen Pistenverhältnisse, das Glück mit den Hundertsteln, dazu ein prächtiger Sonnenschein unter stahlblauem Himmel. Perfekter hätte der Tag kaum sein können, eigentlich war es schon fast kitschig schön. «Ich fühlte mich heute wieder wie eine richtige Athletin», befand Dominique Gisin. Just am richtigen Tag wurde sie wieder zur Abfahrerin, welche die Grenzen ausloten konnte - und dafür mit Gold belohnt wurde.

(bg/sda)

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