Rückblick und Ausblick der Schweizer Skifahrer
Erfolgreich auf schmaler Basis
publiziert: Montag, 19. Mrz 2012 / 08:50 Uhr / aktualisiert: Montag, 19. Mrz 2012 / 09:08 Uhr
Feuz sagte, dass die Fortsetzung seiner Erfolgsserie nicht als gegeben betrachtet werden darf. (Archivbild)
Feuz sagte, dass die Fortsetzung seiner Erfolgsserie nicht als gegeben betrachtet werden darf. (Archivbild)

Zu viel hing bei den Schweizer Männern im gestern zu Ende gegangenen Weltcup-Winter von Beat Feuz und Didier Cuche ab. Die grösste Baustelle von Cheftrainer Osi Inglin ist der Riesenslalom.

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«Ich habe alles richtig gemacht in dieser Saison», sagte Beat Feuz, nachdem er Marcel Hirscher am Samstag zum Sieg im Zweikampf um den Gesamtweltcup gratuliert hatte. «Wenn das nicht reicht, war der Andere eben besser.» Schon lange vor dem Weltcup-Finale erinnerte Feuz auf seiner Erfolgswelle süffisant daran, dass sich beim Weltcup-Prolog Ende Oktober in Sölden kaum ein Journalist für ihn interessiert hatte. Erst Anfang 2011 war Feuz der Durchbruch gelungen. Jetzt blickt er auf einen Winter mit vier Siegen, sechs 2. und drei 3. Plätzen zurück. 13 Podestplätze - erfolgreicher war im Weltcup seit Paul Accola in der Saison 1991/1992 kein Schweizer mehr.

Feuz und Didier Cuche fuhren für die Männer 20 von 24 Podestplätzen ein; Sandro Viletta, Didier Défago, Patrick Küng und Silvan Zurbriggen schafften es je einmal unter die ersten drei. Das Team feiert Erfolge auf schmaler Basis. Das war unter Martin Rufener so und hat sich unter dem neuen Cheftrainer Osi Inglin nicht verändert. Der Abwärtstrend im Riesenslalom hat sich fortgesetzt und zu einem Umdenken geführt. Inglin plant als Reaktion auf die zunehmende Spezialisierung eine neue Trainingsgruppe mit vornehmlich jungen Fahrern, die über den Riesenslalom an den Weltcup herangeführt werden sollen. «Die sollen dann nicht gleich auf die Speed-Disziplinen ausweichen, wenn es im Riesenslalom einmal nicht wie gewünscht läuft.» Von den älteren Semestern könnten Daniel Albrecht und Marc Berthod dazustossen.

Aus vier mach drei

Aus den vier Weltcup-Trainingsgruppen werden auch wegen der Rücktritte von Cuche und Ambrosi Hoffmann sowie allenfalls auch Tobias Grünenfelder drei gemacht. Auf der Hand liegt eine Zusammenlegung der Kombi-Gruppe mit Défago und Zurbriggen mit der Speed-Gruppe um Küng. Sepp Brunner wird sich weiterhin um die Gruppe um Feuz und Carlo Janka kümmern. Die Slalom-Equipe kam nie in Fahrt, weil die designierten Leistungsträger Marc Gini und Justin Murisier die ganze Saison verletzt verpassten. Positiv verlief die Entwicklung des dreifachen Junioren-Weltmeisters Reto Schmidiger. Inglin hält an dieser Zelle fest und regelt derzeit die Nachfolge des aus familiären Gründen zurückgetretenen Slalom-Chefs Reto Schläppi.

In Abfahrt und Super-G lässt sich das Loch, das Cuche aufreisst, für die Statistik durchaus füllen. Doch als Teamleader, Antreiber und Gradmesser im Training ist der Neuenburger auf die Schnelle unersetzlich. Im Speed-Bereich geht aber nicht nur Potenzial verloren. Es liegt auch Potenzial brach. Wenn er seine Rückenprobleme in den Griff bekommt, kann Carlo Janka im nächsten Winter wieder ein Anwärter auf den Gesamtweltcup sein. Doch als genau das galt der Bündner schon vor der dieser Saison, weil er das rätselhafte Virus und die Herzrhythmusstörungen im Frühjahr hatte überwinden können.

«Das Beispiel Janka zeigt, wie schnell es gehen kann», mahnte Beat Feuz in Schladming - und meinte damit auch, dass die Fortsetzung seiner Erfolgsserie nicht als gegeben betrachtet werden darf. Feuz wird sich noch im März einem Eingriff im linken Knie unterziehen, sollte aber rechtzeitig für die ersten Gletscher-Trainings im Juli auf die Ski zurückkehren können. Didier Défago fuhr im Aufbauwinter nach seinem Kreuzbandriss teilweise schon wieder sehr gut und in Bormio zuoberst aufs Podest. Dem Abfahrts-Olympiasieger fehlte nur noch die Konstanz. Mit Silvan Zurbriggen kann es nach einer miserablen Saison eigentlich nur aufwärts gehen. Der Walliser will sich in den nächsten Wochen die Grundsatzfrage stellen, den Bettel aber kaum schon hinwerfen. 30 ist für einen Speed-Fahrer ja kein Alter.

(knob/Si)

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