Riesenslalom in Jasna
Lara Gut übernimmt Führung im Gesamtweltcup
publiziert: Montag, 7. Mrz 2016 / 10:57 Uhr / aktualisiert: Montag, 7. Mrz 2016 / 17:27 Uhr
Lara Gut belegt in der Slowakei den vierten Platz.(Archivbild)
Lara Gut belegt in der Slowakei den vierten Platz.(Archivbild)

Lara Gut hat mit Rang 4 im Riesenslalom in Jasna wieder die Führung im Gesamtweltcup übernommen und liegt damit auf jener Position, auf der sie auch am Ende der Saison erwartet wird. In der slowakischen Station gewann die Österreicherin Eva-Maria Brem.

Die letzte kleine Hürde scheint übersprungen. Lara Gut hat im Riesenslalom in Jasna, der wegen starken Windes am Samstag um 48 Stunden hatte verschoben werden müssen, den Rückstand von 28 Punkten auf Lindsey Vonn in ein Plus von 22 Punkten umgewandelt. Die Meinungen sind nach dem verletzungsbedingten vorzeitigen Aus der Amerikanerin endgültig gemacht: Lara Gut wird als erste Schweizerin seit 21 Jahren und der Glarnerin Vreni Schneider den Gesamtweltcup gewinnen. Zu weit liegt ihre erste "richtige" Verfolgerin zurück. Viktoria Rebensburg weist als Drittplatzierte ein Manko von 263 Punkten aus - bei vier ausstehenden Rennen in den bevorzugten Disziplinen der Deutschen, zwei Riesenslaloms, einer Abfahrt und einem Super-G, unter normalen Umständen eine zu grosse Hypothek.

Alle wissen es - auch Lara Gut selber. Nur mag sie sich in der Öffentlichkeit selbstredend nicht der Allgemeinheit anschliessen. Und schon gar nicht will sie sich schon zum grossen Triumph gratulieren lassen. Die Gedanken an die grosse Kristallkugel hebt sie sich noch für die Zeit abseits des grossen Trubels auf. Lieber verweist die Tessinerin auf die Mathematik und darauf, dass in besagten vier Rennen noch 400 Punkte zu gewinnen sind und dazu noch eine Kombination ansteht. "Wir haben gesehen, wie schnell etwas passieren kann." Lindsey Vonns Pech ist auch an ihr nicht spurlos vorbeigegangen. Den Fakt, zum Abschluss des Winters den Heimvorteil auf ihrer Seite zu haben, mag sie ebenfalls nicht überbewerten.

Entscheidung in Lenzerheide?

"Fünf Matchbälle in der Schweiz? Ich freue mich natürlich darauf, in der Heimat fahren zu dürfen. Aber das ändert für mich nichts. Die Tore sind immer noch rot und blau", sagte sie am Montag in Jasna lapidar - um dann doch noch ein klein wenig von ihrer Denkweise preiszugeben. "Okay, ich bin ein Rennen weniger weit entfernt von der Kugel. Aber über diese Kugel reden wir am 20. März. Im Moment konzentriere ich mich auf die Rennen." Es gibt da allerdings auch die Möglichkeit, dass das Gerede und Werweissen schon am nächsten Sonntag ein Ende haben werden. Holt nämlich Lara Gut am kommenden Wochenende in Lenzerheide aus Super-G und Kombination insgesamt 38 Punkte mehr als Viktoria Rebensburg, ist die Entscheidung bereits vor dem Finale in St. Moritz gefallen.

Schon in Jasna schien Lara Gut im Vergleich mit Viktoria Rebensburg die Vorteile auf ihrer Seite zu haben. Sie hatte nach dem ersten Durchgang hinter Eva-Maria Brem Rang 2 eingenommen, derweil sich die Bayerin aufgrund von Abstimmungsproblemen auf Platz 12 wiederfand. Doch Rebensburg, die die vorangegangenen zwei Riesenslaloms in Flachau im Salzburgerland und Maribor in Slowenien gewonnen hatte, wusste auf beeindruckende Weise zu reagieren. Mit Laufbestzeit machte sie zehn Positionen gut und hielt sich damit auch die Chance auf den Gewinn des Disziplinen-Weltcups aufrecht. Ihr Rückstand auf die führende Eva-Maria Brem beträgt vor dem Showdown im Engadin 52 Punkte.

Brem ihrerseits zehrte im zweiten Lauf vom Vorsprung von knapp zwei Sekunden. In der Endabrechnung stand sie um 27 Hundertstel besser da als die Deutsche. Die Österreicherin feierte ihren dritten Sieg im Weltcup, nachdem sie Ende November 2014 in Aspen, Colorado, und im vergangenen Dezember kurz vor Weihnachten in Courchevel in Frankreich dominiert hatte. Die Bedingungen mit dem verhältnismässig geringen Gefälle schienen nicht zugeschnitten auf Eva-Maria Brem, die steile Hänge bevorzugt. Doch die Tirolerin hatte sich speziell vorbereitet. Zum einen hatte sie die fünf Wochen dauernde Pause ohne Weltcup-Riesenslalom zu ausgiebigen Materialtests genutzt, zum anderen hatte sie die Piste in Jasna in der vorletzten Woche zusammen mit Teamkolleginnen zu Trainingszwecken genutzt und sich derart einen nicht zu unterschätzenden Vorteil verschafft.

Sturz statt Bestwert

Wendy Holdener war auf gutem Weg, die Schweizer Bilanz in Jasna zu schönen. Sie hatte nach halbem Pensum Platz 8 eingenommen und derart die Basis für einen persönlichen Bestwert im Riesenslalom gelegt. Doch statt Rang 15, errungen vor zwei Jahren in Are in Schweden, deutlich zu unterbieten, schied die Schwyzerin nach einem Sturz aus. Besser machte es Simone Wild, die das kleine Schweizer Aufgebot komplettierte. Die Zürcherin, die Mitte Dezember in Are mit Rang 8 verblüfft hatte, lieferte mit Platz 20 zum dritten Mal im Weltcup ein zählbares Ergebnis ab. Überhaupt nicht auf Touren kam Tina Weirather. Die Liechtensteinerin musste sich mit Platz 15 bescheiden.

Resultate: 
1. Eva-Maria Brem (AUT) 2:30,60. 2. Viktoria Rebensburg (GER) 0,27 zurück. 3. Federica Brignone (ITA) 0,52. 4. Lara Gut (SUI) 0,79. 5. Marta Bassino (ITA) 1,29. 6. Marie-Michèle Gagnon (CAN) 1,32. 7. Ragnhild Mowinckel (NOR) 1,41. 8. Stephanie Brunner (AUT) 1,45. 9. Irene Curtoni (ITA) 1,51. 10. Frida Hansdotter (SWE) 1,52. Ferner: 14. Mikaela Shiffrin (USA) 1,84. 15. Tina Weirather (LIE) 1,94. 20. Simone Wild (SUI) 2,23. - Ausgeschieden im 2. Lauf: Wendy Holdener (SUI).

(fest/Si)

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