Ski alpin: Die Talentschau zukünftiger Weltcup-Stars
publiziert: Montag, 9. Feb 2004 / 16:28 Uhr / aktualisiert: Montag, 9. Feb 2004 / 21:27 Uhr

In Maribor (Sln) treffen sich vom 9. bis 15. Februar die besten alpinen Nachwuchskräfte zu den Junioren-Weltmeisterschaften. Nachwuchs-Cheftrainer Didier Bonvin bot für die Talentschau kommender Weltcup-Stars 15 Fahrerinnen und Fahrer auf.

Bonvin hofft auf den einen oder anderen Exploit.
Bonvin hofft auf den einen oder anderen Exploit.
Im letzten Jahr spielten die Nachwuchskräfte von Swiss-Ski bei den Titelkämpfen in Serre Chevalier (Fr) mit fünf Goldmedaillen durch Daniel Albrecht (Abfahrt, Riesenslalom und Kombination), Marc Berthod (Slalom) und Tamara Wolf (Abfahrt) und total sieben Auszeichnungen dieses Trios die Hauptrolle.

Ähnliche Erfolge kann Delegationschef Bonvin in Slowenien von seinem jungen Team, von welchem fast die Hälfte noch zwei weitere Junioren-WM bestreiten darf, nicht erwarten. "Ich sehe es zwar immer positiv, doch heuer wirds wohl schwierig. Mit Fabienne Suter, Tamara Wolf und Marc Gini fehlen uns die drei stärksten Fahrer verletzungsbedingt", so der Cheftrainer.

Bonvin hofft aber trotzdem mit gutem Recht auf den einen oder anderen Exploit: "Martina Bühler, Miriam Gmür und Nadja Kamer haben im Europacup super Leistungen erreicht. Auch Raphael Fässler und Patrick Küng haben intakte Chancen." Wegen Erkrankung nicht nach Maribor reisen kann Marianne Abderhalden (Alt St. Johann).

Weltcup-Durchbruch kein Selbstläufer

Nachwuchs-Titelkämpfe stellen zwar jeweils nur eine Momentaufnahme dar. Der Durchbruch im Weltcup von Junioren-Medaillengewinnern ist aber vor allem bei den Frauen wahrscheinlich und stellt sich manchmal schnell ein: Nur ein halbes Jahr nach ihrem ersten von vier WM-Titeln beim Nachwuchs siegte das schwedische Ausnahmetalent Anja Pärson 1998 Mammoth Mountain auch bei den Grossen -- im erst fünften Weltcuprennen. Nur einen Wettkampf mehr benötigte die Österreicherin Nicole Hosp, Medaillengewinnerin 2002 in Tarvisio (It), bis zu ihrem Sieg im Riesenslalom im Oktober 2002 in Sölden.

Ein Selbstläufer, der sich einfach im darauffolgenden Winter einstellt, ist der Sprung an die Weltspitze aber nicht. So wartete Fränzi Aufdenblatten, die bei den Juniorinnen WM-Gold in der Abfahrt (2000) und im Riesenslalom (2001) gewann, drei Jahre bis zu ihrem ersten Weltcup-Podestplatz vor gut einer Woche in der Abfahrt von Haus im Ennstal. Auch in der dritten Weltcup-Saison ist die Slowakin Veronika Zuzulova, Junioren-Weltmeisterin 2002 im Slalom. Die 19-Jährige aus Bratislava wurde am Wochenende in Zwiesel erstmals Dritte.

Es kann aber noch länger dauern, wie das Beispiel Julia Mancusos illustriert. Die Amerikanerin war viermal Weltmeisterin bei den Juniorinnen und wird bereits seit über drei Jahren im Weltcup eingesetzt. Dort punktet Mancuso zwar regelmässig und in allen Disziplinen, doch mehr als drei Top-10-Plätze schauten bisher nicht heraus.

Nahtlose Übergänge...

Auch bei den Männern lassen sich absolute Ausnahmekönner wie die Norweger Lasse Kjus und Kjetil-André Aamodt nicht bremsen. Bei Kjus dauerte es weniger als eine Saison, bis er nach seinem Übertritt in den Weltcup auf dem Podest stand, Aamodt gewann schon im zweiten Jahr nach seinen drei Gold- und zwei Silbermedaillen 1990 in Zinal das erste Rennen bei der Elite. Auch Benjamin Raich, der aktuelle Gesamtweltcup-Leader, schaffte nach seinen insgesamt fünf Junioren-WM-Titeln zwischen 1996 und 1998 praktisch nahtlos den Übergang zum Siegfahrer im Weltcup.

... und "versandete" Karrieren

Eine "versandete" Karriere wie beim Schweden Tobias Hellman, der 1992 in Maribor dreifacher Weltmeister geworden und insgesamt fünf Medaillen geholt hatte, sich im Weltcup aber nur ein halbes Dutzend Mal überhaupt in den Punkterängen klassieren konnte, steht am anderen Ende der Skala.

Bei den Männern dauert es im Durchschnitt wegen der dichteren Weltspitze generell ein, zwei Saisons länger, bis sich der Erfolg einstellt. Vergleicht man die letztjährigen Junioren-WM-Stars Daniel Albrecht und Marc Berthod mit Fahrern des Kalibers Massimiliano Blardone (It), Klaus Kröll (Ö) und Rainer Schönfelder (Ö) -- diese ehemaligen Junioren-Titelträger benötigten drei bis fünf Jahre bis aufs Weltcup-Podest -- bleibt für den Durchbruch noch Zeit.

Schweizer Aufgebot

Junioren: Stéphane de Siebenthal (Jahrgang 86, Rougemont), Raphael Fässler (85, Stoos), Manuel Fässler (85, Stoos), Flavio Godenzi (84, Pontresina), Patrick Küng (84, Mürtschenen), Pascal Oesch (86, Heimenschwand), Markus Vogel (84, Beckenried), Sandro Viletta (86, Samnaun).

Juniorinnen: Miriam Gmür (1986, Amden), Nadja Kamer (86, Schwyz), Sabine Briand (84, Albinen-Torrent), Martina Bühler (86, Savognin), Valentina Flütsch (85, St. Antönien), Rabea Grand (84, Albinen-Torrent), Monika Wenger (84, Monthey).

Delegationsleiter: Didier Bonvin (Nachwuchs-Cheftrainer).

Programm

Dienstag, 10. Februar: Abfahrt Junioren und Juniorinnen. -- Donnerstag, 12. Februar: Super-G Juniorinnen. -- Freitag, 13. Februar: Super-G Junioren und Nachtslalom Juniorinnen. -- Samstag, 14. Februar: Riesenslalom Junioren. -- Sonntag, 15. Februar: Riesenslalom Juniorinnen und Nachtslalom Junioren.

Die Kombinationssieger werden aus den Ergebnissen von Abfahrt, Riesenslalom und Slalom ermittelt.

(von Valentin Oetterli, Maribor/Si)

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