Ski alpin: Endlich 1. Podestplatz
publiziert: Samstag, 24. Jan 2004 / 17:45 Uhr

Da konnte selbst ein Traumlauf von Stephan Eberharter, der die Konkurrenz um 1,21 Sekunden distanzierte und seinen 27. Triumph feierte, die Freude der Schweizer nicht vergällen: 'Amba' Hoffmann durchbrach den Bann und erkämpfte als Dritter den ersten Podestplatz des Winters.

Dass die Schweizer ausgerechnet am Kitzbüheler Hahnenkamm in der Höhle des Löwen auf der schwersten Strecke der Welt und vor 42 000 Zuschauern die Wiederauferstehung feierten, war Balsam auf ihre Wunden.

"Wir haben viele Prügel gekriegt, die uns schmerzten", bekannte Hoffmann in der Stunde seines bisher grössten Erfolges, der -- zusammen mit dem 7. Platz von Didier Cuche sowie dem 13. und 15. von Paul Accola und Bruno Kernen -- zugleich auch ein Erfolg des Teams war.

"Die schwachen Resultate im Dezember hatten viele Ursachen", sagt Hoffmann, "einige Probleme konnten wir beheben, an andern arbeiten wir noch." Kein Geheimnis ist, dass vor allem bezüglich Material das eine oder andere nicht klappte, und dass zusammen mit dem schwindenden Selbstvertrauen die Schweizer in eine unheilvolle Negativspirale gerieten.

Vom "Horeschlitte" aufs Hahnenkamm-Podest

Didier Cuche, der nach halber Distanz noch vor Hoffmann und nur acht Hundertstel hinter dem zweitklassierten Daron Rahlves lag, nannte einen der Gründe der Leistungssteigerung beim Namen: "Auf dieser Strecke kann man nicht unter die ersten drei fahren, wenn man keine schnellen Anzüge trägt."

Alle Schweizer traten wieder mit den letztjährigen an, die nun allmählich auszugehen drohen. "Ich muss sagen", betont Hoffmann, "dass man sich wirklich grosse Mühe gegeben hat, diese Probleme zu beheben. Nur muss alles noch professioneller werden." Er selbst hatte von Silvano Beltrametti, einem seiner besten Freunde, hören müssen, er fahre wie eine "Horeschlitte".

Noch am Mittwoch nach einem 35. Rang im Training befand sich Ambrosi Hoffmann auf dem moralischen Tiefpunkt: "Ich glaubte, das Skifahren verlernt zu haben." Der 10. Platz seines Stöckli-Markenkollegen Paul Accola liess ihn aufatmen. Hoffmanns Erkenntnis: "Einer allein in einem Markenteam wäre verloren."

Eine kleine Änderung am Material -- der Servicemann ersetzte auf der Bindungsplatte einen Plastik- durch einen Aluminium-Aufsatz -- brachte ihm das verlorene Fahrgefühl zurück. Die Folge: 7. in der ersten Abfahrt, 6. im Super-G und nun der zweite Podestplatz in seiner Karriere (nach seinem 2. Platz beim Weltcup-Finale 2002 in Altenmarkt).

"Dieses Ergebnis ist ungleich wichtiger", sagt Hoffmann, "aber es ist auch nur ein kleines Zwischenziel." Die Schweizer Mannschaft ist wieder auf den Beinen. Dazu hat auch Paul Accola, der dem 10. Rang im Super-G einen 13. in der Abfahrt (mit Nummer 39) folgen liess, einen wesentlichen Beitrag geliefert. "Es ist schön, im Alter von 37 Jahren noch ein solches Wochenende erleben zu dürfen. Das zeigt, dass auch wir mit gutem Material mit den Besten mithalten können. Wenn sie nicht gerade ihre allerbesten Rennmaschinen auspacken wie der Eberharter..."

Eberharter ältester Weltcupsieger aller Zeiten

Stephan Eberharter, der noch im Frühling ernsthaft über einen Rücktritt nachdachte, reiht Rekord an Rekord. Mit seinem 27. Weltcupsieg übertraf er die Austria-Legende Franz Klammer um einen Erfolg. Alle seine 16 Abfahrtserfolge errang er -- wie einst der berühmte Luc Alphand -- im Alter von weit über 30 Jahren.

Mittlerweile hat Eberharter auch Leonhard Stock als ältesten Weltcupsieger aller Zeiten abgelöst. Dieser war 34 Jahre und neun Monate alt, als er in Val Gardena sein letztes Weltcuprennen gewann. Eberharter wird am 24. März 35 Jahre alt. Und ein Ende ist nicht abzusehen. "Warum sollte ich aufhören", sagt Eberharter, "aber irgendwann mal m u s s ich aufhören. Man kann ja nicht immer noch irgendetwas überbieten."

Erst dreimal ist in Kitzbühel eine Abfahrt mit mehr als einer Sekunde Differenz entschieden worden, 1967 im Weltcup-Gründungsjahr durch Jean-Claude Killy, 1976 durch Franz Klammer (zwei Sekunden vor Erik Haker) und letztmals 1986 durch Peter Wirnsberger (1,23 vor Erwin Resch).

"Wir bewegen uns ständig am Limit", philosophiert Eberharter. "Um zu gewinnen, muss man diese Grenze zuweilen noch überschreiten. Doch braucht es auch immer ein gewisses Mass Vorsicht. Sonst gehörst du der Katz...". Diesmal gings auf. Und selbst Daron Rahlves zählte in Kitzbühel zu den Statisten, obwohl er dreimal hintereinander auf dem Podest stand.

Rangliste

1. Stephan Eberharter Ö Atomic 1:55,48. 2. Daron Rahlves USA Atomic 1:56,69 1,21. 3. Ambrosi Hoffmann Sz Stöckli 1:56,78 1,30. 4. Hans Knauss Ö Atomic 1:57,23 1,75. 5. Michael Walchhofer Ö Atomic 1:57,26 1,78. 6. Kristian Ghedina It Fischer 1:57,27 1,79. 7. Didier Cuche Sz Atomic 1:57,46 1,98. 8. Christoph Gruber Ö Atomic 1:57,66 2,18. 9. Hermann Maier Ö Atomic 1:57,67 2,19. 10. Fritz Strobl Ö Salomon 1:57,70 2,22.

11. Lasse Kjus (No), Dynastar, 2,23 zurück. 12. Roland Fischnaller (It), Atomic, 2,36. 13. Paul Accola (Sz), Stöckli, 2,50. 14. Hannes Trinkl (Ö), Head, 2,51. 15. Bruno Kernen (Sz), Rossignol, 2,52. 16. Antoine Dénériaz (Fr), Atomic, und Bode Miller (USA), Rossignol, 2,54. 18. Patrik Järbyn (Sd), Atomic, 2,56. 19. Klaus Kröll (Ö), Head, 2,71. 20. Andreas Schifferer (Ö), Atomic, 2,73.

21. Bjarne Solbakken (No), Atomic, 2,84. 22. Vincent Lavoie (Ka), Atomic, 3,26. 23. Didier Défago (Sz), Atomic, 3,29. 24. Erik Seletto (It), Atomic, 3,46. 25. Alessandro Fattori (It), Fischer, 3,49. 26. Yannick Bertrand (Fr), Dynastar, 3,56. 27. Luca Cattaneo (It), Head, 3,57. 28. Kurt Sulzenbacher (It), Rossignol, 3,60. 29. Jakub Fiala (USA), Atomic, 3,74. 30. Marc Bottollier (Fr), Salomon, 3,98.

31. Marco Büchel (Lie), Head, 4,22. 32. Rolf von Weissenfluh (Sz), Head, 4,56. 34. Tobias Grünenfelder (Sz), Salomon, 4,85.

Ausgeschieden: Johann Grugger (Ö).

Die Weltcup-Stände

Männer. Gesamtwertung (nach 22 von 40 Prüfungen): 1. Lasse Kjus (No) 764. 2. Hermann Maier (Ö) 714. 3. Benjamin Raich (Ö) 698. 4. Stephan Eberharter (Ö) 667. 5. Michael Walchhofer (Ö) 588. 6. Hans Knauss (Ö) 565. 7. Daron Rahlves (USA) 556. 8. Bode Miller (USA) 551. 9. Andreas Schifferer (Ö) 492. 10. Kalle Palander (Fi) 464.

11. Bjarne Solbakken (No) 406. 12. Didier Cuche (Sz) 310. 13. Giorgio Rocca (It) 300. 14. Rainer Schönfelder (Ö) 299. 15. Ambrosi Hoffmann (Sz) 285. 16. Aksel Lund Svindal (No) 282. 17. Christoph Gruber (Ö) 277. 18. Ivica Kostelic (Kro) 245. 19. Manfred Pranger (Ö) 240. 20. Heinz Schilchegger (Ö) 239. Ferner: 29. Bruno Kernen (Sz) 174. 34. Silvan Zurbriggen 146. 44. Didier Défago 95. 46. Tobias Grünenfelder 92. 48. Paul Accola 84. 51. Franco Cavegn 74. 82. Rolf von Weissenfluh 29. 91. Marco Casanova 21. 98. Urs Imboden 16. 121. Konrad Hari 6.

Abfahrt (nach 7 von 12 Rennen): 1. Stephan Eberharter (Ö) 431. 2. Michael Walchhofer (Ö) 390. 3. Daron Rahlves (USA) 355. 4. Hermann Maier (Ö) 318. 5. Lasse Kjus (No) 316. 6. Hans Knauss (Ö) 294. 7. Antoine Dénériaz (Fr) 226. 8. Andreas Schifferer (Ö) 212. 9. Fritz Strobl (Ö) 193. 10. Ambrosi Hoffmann (Sz) 166. 11. Klaus Kröll (Ö) 150. 12. Johann Grugger (Ö) 146. 13. Bjarne Solbakken (No) 136. 14. Hannes Trinkl (Ö) 132. 15. Kristian Ghedina (It) 128. Ferner: 16. Bruno Kernen 126. 18. Didier Cuche 107. 22. Franco Cavegn 74. 30. Didier Défago 38. 33. Paul Accola und Rolf von Weissenfluh 29. 46. Tobias Grünenfelder 10.

Nationen (nach 43 von 75 Wertungen): 1. Österreich 10 268 (Frauen 4127+Männer 6141). 2. Italien 2850 (1084+1766). 3. USA 2841 (1474+1367). 4. Schweiz 2706 (1374+1332). 5. Frankreich 2584 (1515+1069). 6. Deutschland 2401 (2266+135). 7. Norwegen 1990 (356+1634). 8. Schweden 1797 (1236+561). 9. Kanada 966 (566+400). 10. Finnland 876 (357+519).

(von Richard Hegglin, Kitzbühel/Si)

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    Und jetzt? Ist noch online...? Liebes news-Team, schade ist die Situation so, dass etwas aufhören ... Di, 28.06.16 22:43
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    Danke für die gelebte Pressefreiheit. Damit mein ich durchaus auch den ... Di, 28.06.16 16:09
 

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