Ski alpin: MvG der Beste unter schwierigen Bedingungen
publiziert: Samstag, 1. Mrz 2003 / 10:33 Uhr

(Si) Michael von Grünigen feierte im Riesenslalom von Yongpyong den 3. Saisonsieg und baute seine Führung im Weltcup aus. Damit gelang ihm eine feine Revanche für die Enttäuschung an den WM in St. Moritz, wo er als Siebter unter den Erwartungen geblieben war.

Michael von Grünigen.
Michael von Grünigen.
Unter extrem schwierigen Bedingungen hievten sich in der südkoreanischen Wintersportstation drei Spitzenkönner aufs Podest: MvG, der nach dem ersten Durchgang Rang 2 belegt hatte, mit 17 Hundertstel vor "Halbzeitleader" Frédéric Covili (Fr) und mit 0,32 vor Weltmeister Bode Miller (USA).

Die beiden übrigen Medaillengewinner von St. Moritz scheiterten an den Verhältnissen in diesem drittletzten Weltcuprennen der Saison. Der WM-Zweite Hans Knauss (Ö) belegte Rang 15; Erik Schlopy, die Überraschung des zweiten Durchgangs von St. Moritz (vom 23. Rang zu Bronze), wurde 17. Noch schlimmer erging es Weltcup-Leader Stephan Eberharter (23.) und dem Liechtensteiner Marco Büchel, der eine Woche nach seinem ersten Weltcupsieg im Super-G von Garmisch-Partenkirchen stürzte und sich an der rechten Schulter verletzte.

Schneefall über Nacht und warmes Wetter hatten die zuvor gut präparierte Piste in ein heimtückisches Labyrinth verwandelt. Da war die Abgeklärtheit von Grünigens gefragt, der in beiden bisherigen Rennen von Yongpyong schon auf dem Podest gestanden hatte (Sieg 1998, Zweiter 2000). Der Schweizer fuhr auf keinem Teilstück Bestzeit, war aber überall vorne dabei. "Es kam darauf an", so MvG, "in den Spuren der anderen zu bleiben. Man durfte nicht unbedingt die eigene Linie forcieren, sondern musste halt auch einmal ein, zwei Meter neben einer Torstange durch."

Als von Grünigen im ersten Lauf mit der Nummer 6 an den Start ging, war die Piste teilweise schon gebrochen. "Es gibt bessere Pistenverhältnisse als heute", erklärte MvG diplomatisch -- andere Konkurrenten schimpften lautstark. Schliesslich waren es aber doch Fahrer mit hohen Qualitäten, die sich durchsetzten.

Mike von Grünigen errang seinen insgesamt 23. Weltcup-Erfolg, alle im Riesenslalom. Erstmals hatte er vor zehn Jahren in Veysonnaz gewonnen. In der Riesenslalom-Weltcupwertung baute er seinen Vorsprung gegenüber Weltmeister Miller auf 97 Punkte aus. Am nächsten Samstag in Shigakogen (Jap) könnt der Schweizer theoretisch schon alles klar machen. Bode Miller zeigte sich "von den Bedingungen überrascht. Diese Verhältnisse sind für meinen Stil besonders diffizil", sagte er. Der Amerikaner geizte denn auch nicht mit akrobatischen Einlagen.

Auferstehung Didier Défagos

Insgesamt schnitt das Schweizer Team recht gut ab -- obwohl teilweise noch mehr drin gelegen hätte. Didier Défago, der seit seinem Weltcupsieg im Super-G im Dezember in Val Gardena völlig von der Rolle gefallen war, wollte nach enttäuschenden Vorstellungen am letzten Wochenende in Garmisch-Partenkirchen (15. Abfahrt, 20. Super-G) auf die Asienreise verzichten. "Garmisch war ein Schlag auf den Deckel", sagte er. Doch Männerchef Karl Frehsner "überredete" ihn auf seine Art -- und Défago fuhr erstmals wieder unter die ersten 10. Als Neunter bei Halbzeit winkte er noch skeptisch ab: "Es gibt noch einen zweiten Lauf." Aber dort konnte er sich noch steigern und wieder an die "alte" Form anküpfen.

Didier Cuche (13.) verpasste es im ersten Lauf, "auch in den Löchern der unteren Streckenhälfte zu attackieren", was ihm im zweiten Durchgang gelang; aber dort unterlief ihm oben ein Fehler. Tobias Grünenfelder (22.), der Super-G-Dritte von Garmisch, verbremste den zweiten Durchgang, und Marco Casanova fiel vom 26. auf den 29. Platz zurück. Immerhin holte der Slalom-Spezialist erstmals in seiner Karriere auch Weltcuppunkte im Riesenslalom.

Falls sich die Olympiakandidatur Pyeongchang im kommenden Juli bei der IOC-Session in Prag durchsetzen sollte, werden im Jahr 2010 der olympische Riesenslalom wie der Slalom auf den Weltcup-Pisten von Yongpyong ausgetragen.

(bert/sda)

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