Ski alpin: Renate Götschl setzte noch einen drauf
publiziert: Samstag, 18. Jan 2003 / 17:04 Uhr / aktualisiert: Samstag, 18. Jan 2003 / 20:02 Uhr

(Si) Das märchenhafte Comeback von Renate Götschl hat in Cortina seine Fortsetzung gefunden. Die Steirerin gewann 24 Stunden nach dem Super-G auch die Abfahrt und feierte ihren 25. Weltcupsieg. Die Schweizerinnen zählten abermals zu den Geschlagenen.

Die Österreicherin Renate Götschl gewinnt die Abfahrt.
Die Österreicherin Renate Götschl gewinnt die Abfahrt.
Doppelsiege einer Fahrerin an einem Weltcup-Rennwochenende im Olympiaort von 1956 sind an und für sich nichts Besonderes. Das hatten in früheren Jahren schon Katja Seizinger, Isolde Kostner oder Régine Cavagnoud geschafft. Wer aber wie Renate Götschl gut zehn Monate nach schwersten Beinverletzungen derart dominiert, hat ohne Übertreibung Aussergewöhnliches geleistet.

Die Österreicherin wurde denn auch nicht müde, ihre Freude zu zeigen. "Nach einer solchen Verletzung ist das alles wie ein Traum. Das ist sicherlich eines meiner schönsten Wochenenden", sagte Renate Götschl nach ihrem neuerlichen Triumph, dank dem sie nun gleich viele Weltcup-Siege auf dem Konto hat wie Maria Walliser.

"Ski wie Raketen"

Ganz für sich wollte Renate Götschl den Erfolg dann aber doch nicht beanspruchen. Sie war dankbar dafür, dass "es mit dem Knie wieder super läuft." Ein dickes Lob zollte sie auch ihrem Servicemann Mathias Scheibner und bediente sich in ihrem Übereifer militärischer Ausdrücke: "Ich hatte heute eine Wunderwaffe an den Füssen. Die Ski gingen wie Raketen."

So kurz vor den Weltmeisterschaften rückt Renate Götschl nun verständlicherweise in den Kreis der ganz grossen Favoritinnen auf, die Erwartungshaltung in ganz Österreich wird um ein Vielfaches steigen. Die 27-Jährige gibt sich darob gelassen. "Ich selber werde mir keinen Druck aufsetzen. Und mit jenem aus der Öffentlichkeit werde ich umgehen können." Eine von Götschls Gegenspielerinnen in St. Moritz könnte Kirsten Clark sein. Die Amerikanerin liess den 3. Plätzen von Lake Louise und Lenzerheide einen 2. Rang folgen, schlug Michaela Dorfmeister um vier Hundertstel und verhinderte so einen neuerlichen österreichischen Doppelerfolg.

Den Schweizerinnen missriet das letzte Speedrennen vor der WM in St. Moritz gründlich -- mit Ausnahme von Sylviane Berthod und Nadia Styger. Berthod wurde als Beste des Teams Elfte und tat endlich wieder einen kleinen Schritt nach vorne. Styger (19.), welche die letzten zwei Winter wegen schweren Knieverletzungen praktisch vollends pausieren musste, war im Weltcup erst zweimal (11. im März 99 in St. Moritz, 17. im November 99 in Lake Louise) besser klassiert. "Eigentlich dürfte ich mit einem elften Rang nicht zufrieden sein", sagte Sylviane Berthod. "Doch diese Woche ist für mich so schlecht verlaufen, da geht es nicht mit einem Schlag wieder ganz nach vorne. Positiv ist, dass ich das Gefühl auf den Ski wieder gefunden habe und wieder mehr Risiko nehmen konnte."

Nach Trainingsbestzeit Platz 15

Im Schweizer Team, das letztmals im Dezember 2000 (13. Platz von Ella Alpiger in St. Moritz) in einer Abfahrt keine Fahrerin in die Top Ten gebracht hatte, klafften Vorgabe und Realität bei Corinne Rey-Bellet am weitesten auseinander. Die Walliserin hatte sich nach ihrer klaren Bestzeit im Abschlusstraining nachhaltig für eine Topklassierung empfohlen. Geworden sind daraus 1,44 Sekunden Rückstand und der 15. Rang; eine Platzierung, die bei der Athletin selber Kopfschütteln auslöste, zumal sie zwischen ihren Fahrten in Training und Rennen keine Unterschiede feststellte. Ratlosigkeit machte sich breit: "Ich kann mir den grossen Zeitverlust nicht erklären." Dabei wären die Voraussetzungen für ein Spitzenergebnis gegeben gewesen: Das Knie bereitete keinerlei Probleme, zudem fühlt sich Corinne Rey-Bellet in der Abfahrt wieder sicher und wohl ("Das ist kein Vergleich zum Super-G. Das sind Welten"). Lags also am Material? Corinne Rey-Bellet fuhr den gleichen Ski wie im Training -- und verlor auf allen Streckenabschnitten Zeit.

Tamara Müller mit Schlüsselbeinbruch

Deutlich unter den Erwartungen blieb auch Catherine Borghi, die unmittelbar hinter Monika Dumermuth (30.) erstmals in dieser Saison in einer Abfahrt die Punkteränge verpasste. Der grosse Pechvogel war indes Tamara Müller. Drei Tage nach ihrem unerwarteten 4. Rang im Super-G stürzte die Zugerin schwer und brach sich das rechte Schlüsselbein.

(David Bernold/sda)

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