Ski alpin/WM03: Wie war es 1974?

publiziert: Mittwoch, 29. Jan 2003 / 11:40 Uhr

(Si) Die Sapporo-Helden versagten zwei Jahre später an der WM in St. Moritz samt und sonders. Obwohl alle Olympia-Medaillengewinner von 1972 an den Start gingen, war es die Newcomerin Lise-Marie Morerod, die die Ski-Nation vor dem totalen Fiasko rettete.

Am drittletzten Tag erst erkämpfte die 17-jährige Waadtländerin mit der hohen Startnummer 39 Bronze im Slalom. In ihrer stärkeren Disziplin, dem Riesenslalom, war sie wie Olympiasiegerin Marie-Theres Nadig ausgeschieden. Der 3. Platz von Morerod war ein kleiner Balsamtropfen auf den gesamtschweizerischen Kater, den die mageren Ergebnisse an der ersten Nachkriegs-WM auslösten.

Absagen, Flops und Negativmeldungen folgten sich am laufenden Band und begannen schon vor der WM. Weil ausser Roland Collombin, der zu seiner gewohnten Januar-Hausse ansetzte und die letzten vier Rennen vor St. Moritz gewann, die Abfahrer in eine Krise gerieten, holte der damalige Ski-Chef Adolf Ogi den Wachs-Guru Paul Berlinger zurück, der 1970 mit seiner legendären Wachsabkratzaktion Bernhard Russi zum Weltmeister gemacht hatte.

Wachs-Guru Berlinger als Nothelfer

Doch diesmal stach "Notnagel" Berlinger, den Ogi bei dessen neuem Arbeitgeber Rossignol ausleihen musste, nicht. Seriensieger Collombin stürzte nach 30 Sekunden, die andern Rossignol-Piloten Bernhard Russi und Philippe Roux wurden 13. und 12., und einzig Fischer-Fahrer Walter Vesti (9.) reichte es knapp zu einem Top-10-Platz. Weder die Kugelstöcke noch der aerodynamische Schuh- und Bindungsüberzug brachten die erhofften Effekt. Weltmeister wurde David Zwilling -- vor Franz Klammer, der schon im Weltcup dreimal hinter Collombin Zweiter geworden war. Kurz darauf setzte "Kaiser Franz" zu seiner unwiderstehlichen Siegeserie an.

Mit bemerkenswerter Offenheit gestand der Rossignol-Mitarbeiter Berlinger ein, dass weniger der Wachs als der Ski die Ursache für das Schweizer Debakel war -- also "seine" Rossignol. Statt der befürchteten Entlassung für diese Selbstkritik wurde Berlinger bei Rossignol befördert, machte Karriere und ging dort vor wenigen Monaten als Geschäftsführer in Pension. Ehrlichkeit währt doch am längsten...

Als grösste Spielverderberin profilierte sich 1974 die Maloja-Schlange, die über die Corviglia schlich und das Programm komplett auf den Kopf stellte. So musste die Männer-Abfahrt wegen des Nebelbandes vom ersten auf das zweite Wochenende (damals dauerte die WM, ohne Super-G und Kombi-Rennen, nur acht Tage) verlegt werden, und ein einziger Wettkampf fand am vorgesehenen Termin statt.

Thönis Doppelsieg -- Drei 5. Plätze für die Schweizer...

In den Ranglisten der WM tauchen viele Namen auf, die aus dem Who-is-who des Skisports nicht wegzudenken sind. Ingemar Stenmark begnügte sich noch mit anonymen Klassierungen, im Mittelpunkt stand ein anderer grosser Schweiger: Gustav Thöni, heute Teamchef der Italiener, gewann Gold im Slalom und Riesenslalom. Hinter ihm erkämpfte Hansi Hinterseer, schon damals der unumstrittene Liebling der Massen, Silber. Zur Pressekonferenz kam er eine halbe Stunde zu spät, weil ihn die Fans nicht mehr losliessen.

Für die Schweizer standen neben Morerods Medaille drei 5. Plätze durch Marie-Theres Nadig in der Abfahrt, Engelhart Pargätzi im Riesenslalom und Walter Tresch im Slalom als Bestergebnisse zu Buche -- eine kollektiver Frust für eine Heim-WM zwei Jahre nach den "Goldenen Tagen von Sapporo".

... dafür drei Medaille für Liechtentein

Dafür erlebte das kleine Fürstentum Liechtenstein eine sportliche Sternstunde. Mit den Medaillen von Hanni Wenzel (Gold im Slalom und Silber in der Kombination) und Willi Frommelt (Bronze in der Abfahrt) liefen sie den Gastgebern und Trainingspartnern den Rang ab. Peter Lüscher verguckte sich ein paar Jahre zu spät in Fabienne Serrat. Die beiden Titel im Riesenslalom und der Kombination errang sie noch als Französin.

Das Budget der damaligen WM betrug acht Millionen Franken und damit zehnmal weniger als heute. Erstmals gab es Dopingkontrollen. Der Pole Jan Bachleda und die Amerikanerin Cindy Nelson, die spätere Lebenspartnerin von Martina Navratilova, blieben darin hängen. Sie waren gar nicht zur Kontrolle erschienen. Das war damals noch ein Kavaliersdelikt; beide kamen mit einer Verwarnung davon.

Als viel schlimmeres Delikt galt das Geldverdienen. Löhne hiessen Verdienstausfall-Entschädigungen. Und von Rennfahrern mit Ski durften nur Gruppenbilder gemacht werden. Lediglich vom Sturz von Collombin gab es ein exklusives Einzelbild -- aber das war nur für den Fotografen ein Geschäft.

(bert/sda)

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