Ski nordisch: Neuer Stern am Skisprung-Himmel
publiziert: Sonntag, 12. Jan 2003 / 16:26 Uhr

(Si) Der erst 16-jährige Thomas Morgenstern feierte schon bei seinem fünften Weltcup-Springen den ersten Sieg. Der Teenager aus Kärnten triumphierte in Liberec (Tsch) vor Teamkollege Andreas Widhölzl und dem überraschenden Einheimischen Jakub Janda.

Der Österreicher Thomas Morgenstern.
Der Österreicher Thomas Morgenstern.
Der zweite Wettkampf musste am Sonntag wegen starken Windes schon nach 17 Springern abgebrochen werden. Die Schweizer liessen die tschechische Station als Reaktion auf die verpfuschte erste Saisonhälfte aus. Simon Ammann und Co. treiben in St. Moritz einen Neuaufbau im Hinblick auf die WM voran. Auch Martin Schmitt (Training) und Martin Höllwarth (krank) fehlten.

Thomas Morgensterns Stern war schon an der Vierschanzentournee aufgegangen, wo er zu seinen ersten Einsätzen bei den Cracks kam und die Ränge 9, 25, 12 und 6 belegte. Die Promotion in den Weltcup hatte er dank drei Siegen de suite im Continental-Cup geschafft. Zwei davon gelangen ihm in Liberec, wo er mit 139 m auch den Schanzenrekord hält.

Nach dem Kanadier Steve Collins, der 1980 im Alter von 15 Jahren und 11 Monaten gewann, ist Morgenstern (16 Jahre, 3 Monate) nun der zweitjüngste Weltcup-Sieger. "Ich kann meine Gefühle nicht beschreiben", meinte Morgenstern nach dem überraschenden Coup, den er Flügen auf 131 und 129 m zu verdanken hat. Hannu Lepistö, den finnischen Trainer der Österreicher, erinnert Morgenstern vor allem punkto Absprung und Kopfhaltung an seinen früheren Schützling Matti Nykänen, den Dominator der achtziger Jahre (fünf Olympia- und 46 Weltcupsiege). Lepistö hatte dem Youngster schon im Sommer den baldigen Aufstieg in den Weltcup zugetraut.

Erst vor drei Wochen hatte der Neffe des früheren Slalom-Weltcup-Fahrers Alois Morgenstern erstmals mit der Schanze in Tschechien Bekanntschaft gemacht. Sein erster Flug trug ihn nur 84 m weit, seither ist er nie weniger weit als 124 m gesprungen. Kein Wunder, bezeichnet der Rookie die Anlage in Liberec als seine Lieblingsschanze.

Morgenstern ist im Gegensatz zu den meisten österreichischen Jung-Adlern kein Schüler des renommierten Skigymnasiums von Stams. Weil er sein Elternhaus nicht verlassen wollte, geht er nach wie vor in seiner Heimat zur Schule. Sein Sieg ist der vorläufige Höhepunkt der eingeleiteten Wachablösung im österreichischen Team. Junge Springer wie Morgenstern, Florian Liegl, Andreas Kofler oder Mathias Hafele laufen den Arrivierten Andreas Goldberger, Andreas Widhölzl oder Martin Höllwarth langsam, aber sicher den Rang ab. "Einerseits sind all die Jungen ein Vorteil, andererseits ist es für uns Routiniers auch hart. Wenn wir nicht am Ball bleiben, droht die Versetzung in den Continental-Cup", äusserte sich Widhölzl zur veränderten Situation. Spannung verspricht der Kampf um die WM-Tickets. Morgenstern lässt sich nicht verrückt machen und nennt die kommenden Weltcup-Springen sowie die Junioren-WM in Solleftea (Sd) als nächste Ziele. Doch insgeheim dürfte er auch die WM der "Grossen" im Val di Fiemme (It) ins Visier genommen haben.

Nach dem ersten Durchgang hatte sich Morgenstern die Führung noch mit einem Konkurrenten geteilt, der vor fünf Tagen in Bischofshofen ebenfalls seinen ersten Triumph gefeiert hatte. Der 21-jährige Norweger Björn Einar Romören fiel aber noch auf den 7. Schlussrang zurück.

Andreas Widhölzl (26), Sieger in Kuusamo (Fi), wurde mit dem minimalen Vorsprung von 0,1 Punkten auf Jakub Janda Zweiter. Ein wichtiger Faktor beim österreichischen Doppelsieg war mit Sicherheit der neue Anzug. Im Gegensatz zu den meisten anderen Nationen lassen sich die Austria-Adler ihre Anzüge von der österreichischen Firma Schneider schneidern.

Jakub Jandas dritter Platz stellte eine weitere Premiere dar. Der 24-Jährige sprang erstmals aufs Podest, was seit vier Jahren (Jakub Suchacek in Harrachov) keinem Tschechen mehr gelungen war. Deutschlands Flug-Ass Sven Hannawald und Tournee-Sieger Janne Ahonen mussten sich mit den Rängen 5 und 6 begnügen.

(Philipp Bärtsch/sda)

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