Überraschung
Talent Kristoffersen fing Meister Hirscher ab
publiziert: Sonntag, 16. Nov 2014 / 17:50 Uhr
Henrik Kristoffersen sorgte beim Weltcup-Slalom für Furore.
Henrik Kristoffersen sorgte beim Weltcup-Slalom für Furore.

Das Talent hat sich gegen den (Welt-)Meister durchgesetzt. Der junge Norweger Henrik Kristoffersen gewinnt den Weltcup-Slalom in Levi vor dem Österreicher Marcel Hirscher. Der Walliser Daniel Yule überzeugt in Finnland mit Rang 10.

Er wird überall in den höchsten Tönen gelobt, von Teamkollegen und Konkurrenten gleichermassen. «Er hat unglaubliche Fähigkeiten auf der Piste», sagt der wegen eines Achillessehnen-Risses rekonvaleszente Aksel Lund Svindal über Kristoffersen. Für Hirscher ist der mittlerweile 20-Jährige ein aufstrebender Athlet, «der unglaublich clever und technisch brillant Ski fährt. Mit seiner Technik und der Kraft in seinen Schwüngen gibt er vielleicht einen neuen Weg des Skirennfahrens vor.» Cleverness heisst im Falle des Hochtalentierten auch Konstanz. In 19 Weltcup-Slaloms ist Kristoffersen noch nie ausgeschieden. Nur zweimal, bei seiner Premiere im März 2012 in Kranjska Gora und bei seinem dritten Auftritt neun Monate danach in Val d'Isère, hat er den zweiten Durchgang verpasst. Eine grandiose Bilanz in einer Disziplin, in der die Ausfallquote in der Regel höher liegt als anderswo und in der der totale Angriff die Grundlage für erfolgreiches Tun bildet.

Zwölf Hundertstel Vorsprung

Er fahre immer auf Risiko, hat Kristoffersen kürzlich in einem Interview gesagt. «Alles oder nichts.» Seine ausserordentliche Begabung erlaubt diese Devise. Sein Talent geht über das technische Können hinaus und schliesst dieses Volumen an Sicherheit auf den Ski ein, das sich ein Skirennfahrer im Training nicht aneignen kann. Derartige Veranlagung wird den Ausnahmeerscheinungen in die Wiege gelegt. Die Mixtur aus den Komponenten Risiko und Sicherheit präsentierte Kristoffersen in Levi ein weiteres Mal perfekt. Trotz aller Aggressivität geriet er nie in Gefahr, vom guten Weg abzukommen. Im ersten Lauf hatte er Hirscher noch mit der hauchdünnen Differenz von sechs Hundertsteln den Vortritt lassen müssen. In der Entscheidung vermochte er das Blatt aber zu wenden. Am Ende lag er zwölf Hundertstel vor dem Salzburger, der in Levi als Vorjahressieger angetreten war. Die beiden Ausnahmekönner waren eine Klasse für sich. Felix Neureuther, dem weiterhin Nachwirkungen einer Entzündung im Lendenwirbelbereich zu schaffen machen, büsste als Dritter bereits 1,31 Sekunden auf Kristoffersen ein.

Der zweite Sieg im Weltcup nach jenem im vergangenen Januar im Slalom in Schladming steht ebenfalls für die Entwicklung, die Kristoffersen im Zeitraum von 24 Monaten durchgemacht hat. In Levi hatte er sich vor zwei Jahren dank Rang 11 seine ersten Weltcup-Punkte im Slalom gesichert, in der letzten Saison stand er als Dritter ein erstes Mal überhaupt auf dieser Ebene auf dem Podium. Mittlerweile kann Kristoffersen sich vollends auf seine Karriere als Skirennfahrer konzentrieren, nachdem er im Sommer seine schulische Ausbildung abgeschlossen hat. Der Emporkömmling, der in Landsmann Kjetil André Aamodt sein grosses Idol sieht, kann damit noch dezidierter seine nächsten grossen Ziele ins Visier nehmen. «Für mich wäre es ein Traum, einmal den Gesamtweltcup und eine olympische Goldmedaille zu gewinnen», sagt Kristoffersen.

Hirscher auch in der Abfahrt?

Die nächsten Olympischen Winterspiele werden 2018 in Pyeongchang ausgetragen. Gut möglich, dass Kristoffersen seinen aktuell härtesten Konkurrenten in Südkorea nicht mehr zu fürchten braucht. Marcel Hirscher hat dieser Tage in Finnland noch einmal beteuert, dass ein Ende seiner Karriere vor dem Grossanlass in Asien durchaus zum Thema werden kann. Für den dreifachen Gesamtweltcup-Sieger steht vorerst aber anderes im Vordergrund. Als Nächstes folgt die Reise nach Nordamerika zu den kommenden Weltcup-Rennen. Der sportliche Fahrplan ist noch nicht klar definiert. «Vorgesehen war, in Übersee neben Riesenslalom auch Super-G und Abfahrt zu trainieren. Zudem sollten auch zwei, drei Tage mit Slalomfahren drinliegen.» In Beaver Creek im US-Staat Colorado, wo im Februar die Weltmeisterschaften stattfinden, will sich Hirscher zumindest übungshalber auch auf die Abfahrts-Piste wagen - offensichtlich mit dem Ziel, bei den Titelkämpfen auch in der Super-Kombination an den Start zu gehen.

Grundstein für kommende Aufgaben

Die Schweizer Slalom-Fahrer müssen sich mit derartigen Planspielen nicht beschäftigen. Für die junge Garde von Trainer Steve Locher hat die Annäherung an die Spitze in ihrer Disziplin Priorität. Daniel Yule tat diesbezüglich einen weiteren (kleinen) Schritt. Der Walliser realisierte mit Rang 10 sein zweitbestes Ergebnis im Weltcup, nachdem er im Januar in Kitzbühel Siebenter geworden war. Der Sohn schottischer Eltern zeigte sich von seinem Abschneiden selber überrascht, obwohl er in der Vorbereitung der Konstanteste in den Reihen von Swiss-Ski gewesen war. «Ich habe gut trainiert, doch Rennen und Wettkampf sind verschiedene Dinge.» Der 21-Jährige, im vergangenen Winter Gewinner der Slalom-Wertung im Europacup, sieht seine Platzierung als «Grundstein für die kommenden Aufgaben». «Es ist alles aufgegangen», berichtete Yule. Taktieren nach Platz 12 im ersten Durchgang sei für ihn keine Losung gewesen. «Das geht nicht. Wenn du im Slalom nur 99 Prozent gibst, findest du dich in der Rangliste in den hinteren Regionen wieder.» Weltcup-Punkte gab es auch für Ramon Zenhäusern, einen weiteren Walliser. Der Zwei-Meter-Mann wird im Schlussklassement auf Platz 23 geführt.

Die restlichen fünf Schweizer blieben nach dem ersten Lauf auf der Strecke. Am nächsten dran an der Final-Teilnahme war Markus Vogel. Dem Routinier fehlten ein Rang und vier Hundertstelsekunden. Mit Ausnahme von Yule, der das Training zu Hause fortsetzen wird, bleiben die Schweizer Slalom-Fahrer in Finnland. In dieser Woche stehen von Donnerstag bis Sonntag in Levi je zwei Europacup-Riesenslaloms und -Slaloms im Programm.

(ww/Si)

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