Wieder Medaillen in der einstigen Parade-Disziplin?
publiziert: Mittwoch, 14. Feb 2007 / 00:02 Uhr

«Wir sind die Aussenseiter», sagt Kombi-Trainer Patrice Morisod, «deshalb sind die Chancen für alle vier Schweizer Teilnehmer sehr, sehr gut.» Défago, Cuche, Albrecht und Berthod möchten die Schweizer «Riesen»-Tradition wieder aufleben lassen.

Défago schaffte bisher als einziger Schweizer eine Top-3-Klassierung.
Défago schaffte bisher als einziger Schweizer eine Top-3-Klassierung.
Der Riesenslalom ist die einstige Parade-Disziplin. Von 1985 bis 2001 gab es bis auf eine Ausnahme (Morioka 1993) bei jeder WM mindestens eine Medaille und insgesamt drei WM-Titel, zuletzt von Michael von Grünigen 2001 in St. Anton. Seither gingen die Schweizer leer aus.

Nach dem Rücktritt von MvG gab es sogar Phasen, in denen kein Schweizer mehr in der ersten Gruppe vertreten war. Inzwischen haben sie den Anschluss wieder gefunden. Die «Riesen» von Trainer Morisod (Didier Cuche und Didier Défago) und Sepp Brunner (Daniel Albrecht und Marc Berthod) zählen zumindest wieder zu den Aussenseitern. Die Erwartungen sind klein, die Hoffnungen umso grösser.

Nur Défago auf einem Weltcup-Podest

Défago schaffte als einziger Schweizer eine Top-3-Klassierung (3. in Alta Badia), Cuche verpasste in Beaver Creek (mit Startnummer 23) das Podest nur um einen Rang. Inzwischen hat er sich mit den weiteren Klassierungen 7, 9 und 14 in die erste Gruppe zurückgekämpft. «Ich bin bereit für eine Überraschung», sagt Cuche, der in Are bisher Medaillen um eine und vier Hundertstelsekunden verpasste. «Es wird ein offenes Rennen geben, und in diesem möchte auch ich eine Rolle spielen.»

Von der Form des Jahres 2002, als er in Adelboden mit über einer Sekunde Vorsprung siegte, ist er nicht mehr weit entfernt. «Die Riesenslalom-Spezialisten haben aber den Vorteil, dass sie praktisch jeden zweiten Tag auf 'Riesen'-Ski stehen. Bei mir war das seit einem Monat nur noch zweimal der Fall.» Wie schon in Alta Badia hat es ihn im Riesenslalom-Training «geschmiert», wie er sich ausdrückt, aber weit weniger schlimm als damals im Dezember in Italien. Nur das Gesäss tue ihm etwas weh.

Aussichtsreichster Schweizer auf dem Papier ist Didier Défago, der in jedem Riesenslalom in diesem Winter in die Top Ten fuhr (3., 5., 9., 9.) und in Are in der Super-Kombination als Vierter nur um drei Zehntel am Podest vorbeischrammte.

Berthod und Albrecht aus dem Hinterhalt

Weniger gut sehen die «Matchblätter» dieser Saison für Daniel Albrecht und Marc Berthod aus. Albrecht war 16., 17., 22. und 26., Berthod einmal 24. und dreimal out. Beide können mit höheren Startnummern aus dem Hinterhalt angreifen.

Eigenartigerweise war Berthods Ausfallquote im Riesenslalom höher als im Slalom. «Ich habe wahrscheinlich zuviel gewollt. Es wäre einiges möglich gewesen. Ich konnte bisher zu wenig bringen. Hier habe ich nichts zu verlieren und kann locker drauflosfahren.» Schliesslich habe man es ja in der Abfahrt gesehen, dass viele Favoriten scheiterten. Das könne auch im Riesenslalom passieren. «Das ist meine Chance.»

Albrecht bezeichnet den Riesenslalom als «die Disziplin, mit der ich am unzufriedensten bin». Er mache noch zu viele Fehler und fahre technisch nicht optimal. «Vieles ist ein Krampf, die Position auf den Ski nicht ideal. Darum bin ich manchmal etwas verkrampft.»

MvG im letzten Rennen geschlagen

Dabei sei der Riesenslalom einst seine stärkste Disziplin gewesen. Im «Riesen» hat er seinen ersten bedeutenden Sieg gefeiert, als er bei den Schweizer Meisterschaften 2003 in Verbier den abtretenden Michael von Grünigen in dessen letztem Rennen schlug. «Mike hätte jenes Rennen sicher gerne gewonnen. Aber ich habe gemerkt, dass er sich auch an meinem Sieg gefreut hat. Vielleicht war er erleichtert zu sehen, dass es auch ohne ihn in dieser Disziplin weitergeht.» Das hofft Von Grünigen wohl auch am Mittwoch im WM-Riesenslalom.

In keiner Disziplin ist das Stärkeverhältnis so ausgeglichen. In den bisherigen vier Weltcup-Riesenslaloms gab es vier verschiedene Sieger (Blardone, Palander, Svindal und Raich). Und nur drei Fahrer schafften es, mehrmals aufs Podest zu steigen: Svindal dreimal sowie Palander und Blardone je zweimal.

Berthod im Riesenslalom von Nr. 39 auf 19

Marc Berthod ist dank seiner 400 Weltranglistenpunkte der grosse Nutzniesser im WM-Riesenslalom. Wegen der Beschränkung auf vier Teilnehmer pro Land rückt er von der 39. Position unter die Top 30 und wegen des Allrounder-Bonus auf den 19. Startplatz vor.

Didier Défago erwischte bei der Auslosung die bestmögliche Startnummer 8, Didier Cuche die schlechtestmögliche Nummer 15. Daniel Albrecht startet mit der «23». Zusammen mit den für ausländische Verbände startenden Urs Imboden, Christophe Roux (beide Moldawien) und Demian Franzen (Australien) sind im Riesenslalom sieben Schweizer im Einsatz.

Are (Sd). Startliste WM-Riesenslalom (10.00 und 13.00 Uhr):
1 Benjamin Raich (Ö). 2 François Bourque (Ka). 3 Ted Ligety (USA). 4 Massimiliano Blardone (It). 5 Aksel Lund Svindal (No). 6 Kalle Palander (No). 7 Bode Miller (USA). 8 Didier Défago (Sz). 9 Rainer Schönfelder (Sz). 10 Thomas Grandi (Ka). 11 Hannes Reichelt (Ö). 12 Hermann Maier (Ö). 13 Joël Chenal (Fr). 14 Alberto Schieppati (It). 15 Didier Cuche (Sz).

16 Marco Büchel (Lie). 17 Christoph Gruber (Ö). 18 Peter Fill (It). 19 Marc Berthod (Sz). 20 Thomas Fanara (Fr). 21 Manfred Mölgg (It). 22 John Kucera (Ka). 23 Daniel Albrecht (Sz). 24 Ales Gorza (Sln). 25 Steve Missilier (Fr). 26 Felix Neureuther (De). 27 Jimmy Cochran (USA). 28 Mitja Valencic (Sln). 29 Marcus Sandell (Fi). 30 Gauthier de Tessières (Fr).

Ferner: 32 Jens Byggmark (Sd). 53 Urs Imboden (Mold). 57 Christophe Roux (Mold). 61 Demian Franzen (Au). -- 75 Teilnehmer.

Technische Daten: Piste Olympia, 416 m HD, Kurssetzer A. Prenn (Sd) und M. Morin (USA).

(von Richard Hegglin, Are/Si)

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