Didier Cuche wie einst Franz Klammer

Cuche lässt Konkurrenz am Hahnenkamm stehn

publiziert: Samstag, 22. Jan 2011 / 12:48 Uhr / aktualisiert: Samstag, 22. Jan 2011 / 19:02 Uhr
Cuche jubelt im Ziel.
Cuche jubelt im Ziel.

Der Angriff aufs österreichische Denkmal war von Erfolg gekrönt: Didier Cuche errang am Samstag in Kitzbühel überlegen seinen vierten Abfahrtssieg, womit er den bisher alleinigen Rekordsieger auf der Streif, Franz Klammer, egalisierte.

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Cuche gewann 98 Hundertstel vor dem Amerikaner Bode Miller und 1,18 Sekunden vor dem Franzosen Adrien Théaux, gegen ihn hatte an diesem Tag schlicht keiner eine Chance. «Es war unglaublich zum Zuschauern. Er hat es verdient», verteilte Franz Klammer im Zielraum Lob. Österreichs einstiger Ski-Kaiser hatte am Hahnenkamm von 1975 bis 1977 dreimal in Serie reüssiert, dazu 1984 ein viertes Mal. Nun sah er sich von Cuche egalisiert: Nach 1998, 2008 und 2010 steht nun auch der Romand bei vier Abfahrtssiegen in Kitzbühel. Und rechnet man noch den letztjährigen Erfolg im Super-G hinzu, kommt Cuche bereits auf fünf Triumphe im Tiroler Nobelort. Somit hat er genau einen Drittel seiner inzwischen 15 Weltcupsiege in Kitzbühel eingefahren.

Cuche fuhr die Konkurrenz geradezu in Grund und Boden, obwohl er selber eigentlich nicht das Gefühl gehabt hatte, eine wirklich perfekte Fahrt gezeigt zu haben: «Im oberen Abschnitt beging ich einige Fehler, eigentlich zu viele. Als ich nach der Steilhang-Ausfahrt auf den Weg kam, glaubte ich nicht mehr daran, dieses Rennen noch gewinnen zu können.» An dieser Stelle lag Cuche aber immerhin an 6. Stelle, nur 25 Hundertstel hinter dem Franzosen Théaux. Aber im unteren Bereich über Hausberg, Traverse und Zielschuss war Cuche dann nicht mehr zu halten. Dort «zerfleischte» der gelernte Metzger die Konkurrenz fast nach Belieben.

Die Alters-Bestmarke gehört wieder Cuche

Cuche verbesserte quasi als Nebenprodukt auch noch eine andere Bestmarke. Dank seinem Sieg ist er nun wieder der älteste Skirennfahrer, der je ein Weltcuprennen gewann. Cuche löste den Liechtensteiner Marco Büchel ab, der vor drei Jahren mit 36 Jahren und 2 Monaten -- ebenfalls in Kitzbühel -- einen Super-G gewonnen hatte. Cuche triumphierte nun mit 36 Jahren und 5 Monaten; erstmals übrigens in diesem Winter. In Wengen hatten ihm noch 14 Hundertstel auf den Österreicher Klaus Kröll gefehlt, doch nun feierten dank ihm auch die Schweizer einen «Auswärtssieg». Nach Tobias Grünenfelder (Super-G in Lake Louise) und Silvan Zurbriggen (Abfahrt in Val Gardena) war es für die Equipe von Cheftrainer Martin Rufener der dritte Erfolg der Saison.

Neben Cuche konnte indessen vom Schweizer Team einzig Ambrosi Hoffmann mit einem Rang in den Top 10 brillieren. Der Davoser, mit einem 18. Rang als bestem Saisonergebnis nach Kitzbühel gereist, überraschte als guter Achter, womit er sich mit einem Schlag auf WM-Kurs bugsierte. Die direkte WM-Qualifikation (gefordert ist ein Rang in den Top 7 oder zwei Platzierungen in den Top 15) verpasste er zwar um eine einzige Hundertstelsekunde, aber das tat seiner Zufriedenheit kaum Abbruch.

«Eines meiner härtesten Rennen»

«Ich bin ein Super-Rennen gefahren», freute sich Hoffmann, der das Vertrauen in seine Qualitäten nie verloren hatte, «ich habe schon ein paar Jahre Erfahrung auf dem Buckel und wusste immer: Erzwingen lässt sich nichts. Dennoch war ich vor dem Rennen brutal nervös, zumal ich spürte, dass etwas möglich war, auch dank der frühen Nummer 2. Psychisch forderte diese Abfahrt enorm, es war eines meiner härtesten Rennen überhaupt.» Nächste Woche in Chamonix will er definitiv auf den WM-Zug aufspringen. «In dieser Form», so glaubt er, «müsste ich es packen.»

Einen erneut guten Auftritt zeigte der Berner Beat Feuz. Bei deutlich schlechter gewordenen Bedingungen fuhr er mit Nummer 40 auf Rang 18, was seinem zweitbesten Abfahrts-Ergebnis entsprach. Der Rest der Mannschaft musste Kitzbühel 2011 als Misserfolg abbuchen. Silvan Zurbriggens Ansprüche sind inzwischen derart gestiegen, dass er einen 13. Rang als unzureichend einstuft. «Ich habe zu viele Fehler gemacht und kann gewiss schneller sein.» Carlo Janka hat sich mit Kitzbühel auch in diesem Jahr nicht anfreunden können: «Das ist definitiv noch nicht meine Destination. Ich komme auf dieser Strecke einfach nicht richtig ins Fahren. Das Positivste: Ich bin gesund.»

Austria seit 2006 sieglos

Ähnlich äusserten sich die meisten Österreicher, die durch den Unfall von Hans Grugger geschockt wirkten und nun in Kitzbühel bereits seit 2006 (Michael Walchhofer) auf den nächsten Abfahrtssieger warten. Seither gewannen hier nur noch die Schweizer: Dreimal Cuche und einmal Didier Défago. Am Samstag befand sich Mario Scheiber, der tags zuvor den Mut gehabt hatte, seine Angst einzugestehen, lange auf Platz 3, ehe ihn Adrien Théaux mit Nummer 28 noch vom Podium stiess. Michael Walchhofer überstand einen Sturz unverletzt, musste aber die Führung im Abfahrts-Weltcup abgeben. Der Österreicher liegt neu 10 Punkte hinter dem neuen Leader Cuche und auch einen Zähler hinter Zurbriggen.

Der letztjährige Olympia-Dritte in der Abfahrt, Bode Miller, reihte sich wie schon 2008 als Zweiter hinter Cuche ein, aber er vermochte eine längere Erfolglosigkeit in den Weltcup-Abfahrten zu beenden. Erstmals seit zwei Jahren schaffte er es in dieser Sparte wieder aufs Podest. Der Franzose Adrien Théaux bescherte seinem Schweizer Abfahrtstrainer Patrice Morisod einen weiteren Erfolg. Im Dezember in Beaver Creek war der 26-jährige aus dem Val Thorens als Zweiter im Super-G erstmals aufs Podium eines Weltcuprennens gefahren, nun gelang ihm dies auch in der Abfahrt.

Resultate:
1. Didier Cuche (Sz) 1:57,72. 2. Bode Miller (USA) 0,98 zurück. 3. Adrien Théaux (Fr) 1,18. 4. Mario Scheiber (Ö) 1,36. 5. Peter Fill (It) 1,38. 6. Christof Innerhofer (It) 1,50. 7. Werner Heel (It) 1,64. 8. Ambrosi Hoffmann (Sz) 1,65. 9. Klaus Kröll (Ö) 1,78. 10. Romed Baumann (Ö) 1,82.

Ferner: 13. Silvan Zurbriggen 2,17. 18. Beat Feuz 2,63. 20. Carlo Janka 2,91. 22. Patrick Küng 3,12. 31. Tobias Grünenfelder 3,93. 34. Cornel Züger 4,59. 41. Vitus Lüönd 5,12. 43. Marc Gisin 5,46. - Ausgeschieden: u.a. Manuel Osborne-Paradis (Ka), Michael Walchhofer (Ö).

Weltcup-Stand:
Gesamtwertung (nach 20 von 38 Wertungen): 1. Ivica Kostelic (Kro) 850. 2. Aksel Lund Svindal (No) 585. 3. Didier Cuche (Sz) 573. 4. Silvan Zurbriggen (Sz) 529. 5. Romed Baumann (Ö) 456. 6. Benjamin Raich (Ö) 434. 7. Michael Walchhofer (Ö) 433. 8. Carlo Janka (Sz) 432. 9. Ted Ligety (USA) 422. 10. Marcel Hirscher (Ö) 419. Ferner: 27. Tobias Grünenfelder 174. 38. Patrick Küng 111. 49. Marc Gini 81. 57. Sandro Viletta 71. 58. Beat Feuz 68. 59. Marc Berthod 61. 60. Ambrosi Hoffmann 60. 68. Justin Murisier 45. 78. Marc Gisin 29. 92. Markus Vogel 20. 108. Daniel Albrecht 12. 117. Cornel Züger 8. 133. Vitus Lüönd 2.

Abfahrt (nach 5 von 9 Rennen): 1. Didier Cuche (Sz) 279. 2. Silvan Zurbriggen (Sz) 270. 3. Michael Walchhofer (Ö) 269. 4. Klaus Kröll (Ö) 219. 5. Bode Miller (USA) 190. 6. Romed Baumann (Ö) 172. 7. Mario Scheiber (Ö) 159. 8. Christof Innerhofer (It) 153. 9. Aksel Lund Svindal (No) 139. 10. Carlo Janka (Sz) 136. Ferner: 15. Patrick Küng 85. 20. Ambrosi Hoffmann 59. 32. Beat Feuz und Marc Gisin 26. 41. Tobias Grünenfelder 12. 51. Vitus Lüönd 2. 52. Cornel Züger 1.

Nationen (nach 40 von 75 Wertungen): 1. Österreich 6278 (Männer 3371+Frauen 2907). 2. Schweiz 3676 (2276+1400). 3. Frankreich 3026 (1604+1422). 4. USA 2799 (928+1871). 5. Deutschland 2745 (432+2313). 6. Italien 2726 (1577+1149). 7. Schweden 1980 (816+1164). 8. Kanada 1039 (763+276). 9. Norwegen 963 (959+4). 10. Kroatien 923 (869+54). 11. Slowenien 875 (286+589). 12. Finnland 646 (43+603). 13. Tschechien 323 (201+122). 14. Slowakei 177 (0+177). 15. Liechtenstein 55 (0+55). 16. Spanien 37 (0+37). 17. Japan 33 (33+0). 18. Moldawien 24 (24+0). 19. Russland 8 (8+0). 20. Grossbritanien (0+4) und Polen 4 (4+0).

(bert/Si)

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